Störung der haptischen Wahrnehmung bei Anorexia nervosa

(M. Grunwald und H.-J. Gertz)
Im Rahmen einer EEG-Studie zur Untersuchung der hirnelektrischen Aktivitätsänderungen bei haptischer Wahrnehmung wurde ein experimentelles Design entwickelt, bei dem unterschiedlich komplexe Tiefenreliefmuster durch beidhändiges Ertasten, ohne visuelle Kontrolle erkannt werden mussten. Wie angenommen, bereiteten diese Anforderungen den gesunden Probanden (Studenten) keine nennenswerten Schwierigkeiten. Eine Probandin (Frau „D“) zeigte jedoch völlig unerwartet verzerrte zeichnerische Wiedergaben der Reliefstruktur. Es ergab sich die Frage, weshalb ihr offensichtlich die Verarbeitung der multisensorischen Informationen Schwierigkeiten bereitete. Nachdem als Ursachen mögliche neurologische Störungen sicher ausgeschlossen werden konnten, deuteten einige äußere Erscheinungsmerkmale der Probandin auf eine Erkrankung hin, die als Anorexia nervosa (Magersucht) bezeichnet wird. Auf Grund ethischer Fragen konnte diese Vermutung im konkreten Fall nicht näher untersucht werden. Sie führte jedoch dazu, die bekannten Symptome dieser Erkrankung näher zu betrachten und nach möglichen Zusammenhängen zwischen den experimentellen Untersuchungsbefunden zu suchen.
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[S. 135-150]

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